Lasst die Zuschauer auch mal gewinnen!

5 Oscar-Vorschläge ganz für uns allein

Am 28. Februar feiert Hollywood wieder – aber in erster Linie sich selbst. Denkt denn bei der Verleihung niemand an den langjährigen Einsatz von uns, den Zuschauern? Durch unser Engagement an den Kinokassen und auf den Fernsehsesseln machen wir das Filmgeschäft erst lebendig. Wir halten den Filmen die Stange, wenn die Erfolgsproduzenten sich längst dem nächsten Projekt zugewendet haben. Zeit, dass sich die Oscars auch mal uns widmen – zumindest in fünf knackigen Kategorien.

Ein kurzer Exkurs: Zum 88. Mal vergeben die etwa 6.000 stimmberechtigten Mitglieder der altehrwürdigen Academy mindestens 24 schlanke Blechstatuen an glückliche Filmgeschäft-Profis. Damit keiner traurig guckt an dem Abend, verteilen sie zusätzlich Swag Bags, Beutetaschen (nicht: Beuteltaschen), an sämtliche Nominierten. Wert dieser kleinen Aufmerksamkeit: 328 Tausend Dollar – pro Person! Wir sind da nicht neidisch. Wir finden nur, dass die Vergabe auch solcher Swag Bags eine traurig einseitige Geschichte ist. Schließlich stecken da nicht nur eine 78.000-Dollar-Reise (1. Klasse) nach Israel und ein Mietwagengutschein in Höhe von 64.000 Dollar drin, sondern auch 600 Blatt Schweizer Luxusklopapier mit Vitaminbeschichtung (Wert: 389 Dollar). Und wir haben gute Gründe, warum auch Erika und Max Mustermann derart fürsorglich behandelt werden sollten.

Es ist doch so, liebe Akademie: Zuschauer rund um den Globus haben es mehr als verdient, sich den Allerwertesten mal mit einem Papier abzuwischen, von dem ein einziges Blatt 65 Cent kostet.

Schließlich sind sie es, die sich stunden-, nein, tagelang eure Filme reinziehen und den Hintern wund sitzen, damit ihr euch die euren vergolden könnt. Wo wärt ihr und eure ganze Branche ohne die Abermillionen Leidenschaftlichen, die in die Kinos strömen und euren Produktionen ihre Zeit, ihre Aufmerksamkeit, ihr Lachen, ihre Nerven, ihre Tränen und ihre Liebe schenken? Ihr wärt alle schon längst nicht mehr da! Fakt.

Ihr könnt soweit folgen, verehrte Academy? Gut. Wir haben da mal was vorbereitet: 5 Vorschläge, in welchen Kategorien ihr Best Audience Awards (Preise für die besten Zuschauer) verleihen solltet.

Best Reenacting (Beste Nachstellung einer Filmszene)

Den Hauptpreis in den Zuschauerkategorien gibt es natürlich für jene Kunst, in der sich die Hingabe der Filmfans auf direkteste Weise ausdrückt: indem sie ihre Lieblingsszenen einfach noch mal nachspielen.

Verliehen wird der Hauptpreis in wenigstens drei Disziplinen des Best Reenacting:

– in motion (in Bewegtbild) –

– in a photo, drawing or cartoon (in einem Foto, einer Zeichnung oder einer Karikatur) –

– with animals (mit Tieren) –

Einen Sonderpreis erhält derjenige, der alle drei Disziplinen vereint. Mit anderen Worten: für animiertes Bewegtbild mit Tieren gibt’s eine Extra-Swag-Bag. Retrospektiv gebührt dieser Preis natürlich den Angry Alien Productions. Seit Jahren kürzen sie große Kinofilme auf 30 Sekunden zusammen – mit Hasen als Darsteller.

Best Trivia Knowledge (Bestes nutzloses Filmwissen)

Ein wahrer Filmfreund weiß alles über einen Film. Den Cast runterzubeten, ist nur was für Anfänger. Kenner hingegen wissen, wer das Drehbuch schrieb, die Kamera führte, die Musik komponierte, den Film produzierte, wie viel Geld das gekostet hat und wie laut die Kinokasse geklingelt hat. Die Besten wissen, in welcher Fassung das Drehbuch von wem an wen weitergereicht wurde, wie die Stimmung am Set war und welche Pannen (goofs) passierten. Die Allerbesten können ein Dutzend Filmkritiken zitieren. Pro Film.

(Seid ihr nominierungswürdig? Testet euer nutzloses Wissen hier.)

Best Amateur Review (Beste Hobby-Filmkritik)

Das Schöne an Filmkritiken, die sich weder einem besserwisserischen Chefredakteur unterordnen müssen, noch sich für irgendwelche Leser interessieren, ist doch, dass sie einfach kein Blatt vor den Mund nehmen. Die Besten ihrer Art geraten von Zeile zu Zeile immer mehr außer Kontrolle – womit sie der Seele Hollywoods näher kommen als manch ein Film, der zu den Oscars gelassen wird. Also: den Roten Teppich für unabhängige Filmblogger, bitte!

Best Movie Tweet (Bester Film-Tweet)

Die Kurzstrecke ist die Königsdisziplin eines jeden Wortkünstlers. Je kürzer ein Text sein soll, desto länger muss man an ihm arbeiten, damit er gut wird. Twitter hat mit seiner (Noch-) Begrenzung von 140 Zeichen ein Biotop geschaffen, in dem solche Kurzkunstwerke zwangsläufig entstehen. Die Besten Kino-Tweets entblättern den Kern eines Films, bis sein innerster Zusammenhalt offenbar wird. So wie hier:


Wir wollen Preise dafür!

Most Quiet Popcorneater (Leisester Popcornesser)

(Pssst, wir schlagen diesen Preis vor, damit ein Anreiz besteht, dass die Leute im Kino oder auf der Couch endlich mal die Klappe zu halten.)

Für diese Kategorien kämpfen wir. Und wenn wir unser Ziel erreicht haben, wird die Preisverleihung eine gerechtere sein. Die Zuschauer werden die Ehre erhalten, die ihnen gebührt. Und wir können uns endlich mal mit einem goldenen Filmpreis auf das Sofa kuscheln.

Und wofür möchtet ihr gerne einen Oscar gewinnen? Schreibt uns!