Der hat doch’n Knall, oder?

14 Beweise, dass David Lynch nicht von dieser Welt ist

Habt ihr schon mal einen David-Lynch-Film zu Ende gesehen? Glückwunsch! Ihr seid freie Geister, geht gern unbekannte Wege und lebt gut in dem Gefühl, dass das Leben zwar unerklärlich bleibt, aber verdammt interessant ist.

Auch abseits seiner Filme wird der ausgesprochen attraktive David Keith Lynch seinem Ruf als Herr Seltsam stets gerecht. Zeitweise glaubte man, er wäre auf dem Weg, eine Sekte zu gründen. Aber das schockt euch alles gar nicht. Als geschulte und überzeugte Lynchianer findet ihr auch unsere 14 merkwürdigsten Lynch-Momente, -zitate und -absonderlichkeiten völlig normal und unserer durchgedrehten Welt durchaus angemessen.

1. Er, der Freak-Filmer, ist selbst kein Film-Freak

„Ich bin kein wirklicher Film-Freak. Ich habe leider keine Zeit. Ich gehe einfach keine Filme anschauen. Und ich werde sehr nervös, wenn ich in einen Film gehe, weil ich mir so sehr Sorgen um den Regisseur mache, dass es schwer für mich ist, mein Popcorn zu verdauen.“

3. Er feiert auch mal ein Jahr lang Krakel-Cartoons

Erzählkino und -fernsehen, so der Begriff überhaupt auf Lynch passt, ist nur eine von vielen Kunstformen, derer er sich befleißigte. Der Surrealist ist ein bildender Künstler durch und durch, insbesondere Videoclips produzierte er mit kindischem Vergnügen daran, Regeln zu brechen. Seine achtteilige Kurzfilmserie „Dumbland“ von 2002 (auf seiner Webseite veröffentlicht) ist besonders schön hässlich: ein krakeliger Schwarz-Weiß-Cartoon über einen Assi namens Randy, seine Familie und seinen Nachbarn, der sich selbst als „einarmigen Entenficker“ bezeichnet. Ähnelt Lynchs Video zu Mobys „Shot In The Back Of The Head“, erschien 2005 auf DVD, ist längst out of print, aber dafür im Netz zu sehen.

4. Er verkaufte einen Comic ohne Handlung

„Er ist so böse, er kann sich nicht mal bewegen.“ Zwischen 1983 und 1992 erschienen in verschiedenen Zeitungen von Los Angeles David Lynchs Cartoon-Strips „The Angriest Dog In The World“. Sie zeigten die immer gleiche Folge von vier Bildern (die alle identisch waren, dreimal im Hellen, einmal im Dunkeln): ein angeleinter, krokodilhafter, unbeweglicher, stummer Hund im Garten eines Hauses. Nur die Sprechblasen, die aus dem Haus kamen, änderten sich. Sie waren weitgehend sinnfrei. Kostprobe?
„In Cannes ist die Croisette.“
Ende der Geschichte. Mehr davon? Bitte sehr.

5. Er machte in Europa das Gegenteil eines Kunststudiums

„Ich plante, drei Jahre zu bleiben. Statt dessen blieb ich 15 Tage. Ich erinnere mich, wie ich in einer Kellerwohnung in Athen lag, mit Eidechsen, die die Wände entlang krochen, und darüber sinnierte, dass ich 7.000 Meilen von McDonald’s entfernt war.“

6. Er selbst schafft nur zwei Drittel seines Künstler-Ideals

Wie sieht das Leben eines Künstlers nach Lynch aus? „Zigaretten rauchen, Kaffee trinken, nicht heiraten und auf keinen Fall Kinder haben.“ – „Aber Sie sind doch gerade wieder Vater geworden und haben eine Frau!?“
„Stimmt, ich habe nun vier Kinder und bin zum vierten Mal verheiratet. Aber ich rauche noch und trinke auch noch Kaffee.“

7. Er ist ein offensichtlicher Kaffee-Narr

„Es ist alles in den Bohnen … und ich bin einfach voll von Bohnen.“
Diese Zeile aus „Inland Empire“ ist zugleich der Slogan der künstlereigenen Kaffeelinie „David Lynch Signature Cup“. Nicht nur FBI-Agent Cooper ist in „Twin Peaks“ kaffeeabhängig – Lynch selbst ist es auch. Was lag näher, als eigenen Kaffee auf den Markt zu bringen? Nachdem er sich ein halbes Leben lang durch alle Kaffeemischungen getrunken hatte, haben sich diese drei als seine Lieblings-Blends erwiesen. „Das ist ein vorzüglicher Kaffee!“

8. Er teilt die Sucht mit seinem Lieblingsschauspieler* Kyle MacLachlan

„Was tun wir zusammen? Ich habe eine ziemlich gute Cappuccino-Maschine, und immer, wenn ihm danach ist, kommt er vorbei. Wir reden über die Probleme, die damit verbunden sind, eine gute Tasse Kaffee zu kriegen.“
*neben Dennis Hopper

9. Er ist auch Popstar, und das nicht mal heimlich

Sein iTunes-Konto weist 27 Alben und Singles aus – Weirdness in Stereo-HiFi.

10. Er konnte nicht mit Michael Jackson

Anlässlich Michael Jacksons Album „Dangerous“ produzierte David Lynch 1992 ein Werbevideo, das auf die dazu erscheinende Musikvideo-DVD neugierig machen sollte. Vielleicht hatte der King of Pop dann doch Zweifel an der Werbewirkung des King of Surrealism, so dass das Filmchen in der Versenkung verschwand. Wir haben es gefunden – und für seltsam befunden.

11. Er wird nie reicher als Spielberg sein

„Ich glaube schon, dass Steven Spielberg die Filme macht, die er wirklich liebt […] Sein Glück ist es, dass Milliarden Menschen die gleichen Filme wie er gut finden.“

12. Er zeigt schöne Künste am schönen Rhein

„David Lynch – Dark Splendor“ hieß eine Ausstellung mit 150 seiner Werke aus Malerei, Film und Installation, arrangiert zu einer Welt der Mysterien und Unerklärbarkeiten. Sie war die einzige Ausstellung dieser Art weltweit und fand statt von 2009 bis 2010 – im Max Ernst Museum Brühl des Landschaftsvereins Rheinland. Wo sonst?

13. Er kennt kein unten und oben

„Misserfolg heißt, dass man deine Arbeit nicht schätzt. Das ist ein ziemlich übler Schlag. Gleichzeitig kann es danach nur aufwärts gehen. Das macht merkwürdig glücklich, weil man das nächste Projekt mit sehr freien Gefühlen angeht. Man hat ja den Versager-Stempel bereits aufgedrückt bekommen. Erfolg heißt Wertschätzung, aber man hat jetzt eine Bringschuld. Mit Arbeit hat Erfolg nichts zu tun, nur mit richtigem Timing und schönem Wetter statt Wolken.“

14. Er macht auch die Wettervorhersage selbst

Ein paar Jahre lang betrieb Lynch auf seiner Webseite (die nur zahlenden Mitgliedern zugänglich war) eine eigene Wettervorhersage. Einige der Vorhersagen waren auch auf seinem Youtube-Kanal zu sehen. Den „Dienst“ stellte er im Juni 2011 ein. Seine Vorhersagen waren im besten Falle Beschreibungen des Wetters vor seinem Fenster, die in lynchscher Manier etwas gaga oder auch ultragaga waren.

Über den Regisseur David Lynch:

Seit seinem Kino-Debüt „Eraserherad“ 1977 hat David Lynch bis heute gerade mal 10 Spielfilme inszeniert. Jeder davon ist mehr als sehenswert, einschließlich seines (für seine Verhältnisse) gewöhnlichsten Films, dem hochkomplexen Science-Fiction-Abenteuer „Dune“ von 1984 (das die Mehrheit aller Filmfreunde für seinen uninteressantesten hält und über den er selbst etwas unglücklich ist). Eines ist all seinen Werken gemein: Wer sich auf einen Lynch-Film einlässt, muss sich von Regeln irdischer Logik freimachen und einen Lauf der Dinge zulassen, der verquer, verstörend und richtungslos wirkt. Sich in diese (Un-)Ordnung fallen lassen zu können, wird belohnt mit dem erhebenden Gefühl, dass unsere wirkliche Welt überhaupt nicht logischer ist. Sie erscheint uns aus Gewohnheit nur so. Letztlich sind Lynch-Filme kunstvolle Oden an fremde (innere) Welten, auch wenn es sich dabei um dunkle Welten handelt.