9 Typen, die aus High-School-Filmen eine Schule fürs Leben machen

Die herrlichste Teenager-Komödie unseres noch jungen Jahrtausends und einer der besten High-School-Filme ist: „Superbad“. Er formte den alltäglichen Horror an amerikanischen High Schools zu einer Karikatur, die so echt wirkt, dass sich auf Generationen hinaus kein High-School-Absolvent mehr dafür schämen muss, dass er selbst mal ein Knallkopf in so einem Irrenhaus war. Das ist schon mal befreiend.

Wer tiefer in die Seele eines „american teen“ blicken und dabei etwas fürs Leben lernen will, für den gibt es eine Reihe herausragender Dramen und Komödien, die uns wertvolle Lektionen über die Menschen und über uns selbst erteilen. Kabel eins CLASSICS hat im Juni einige solcher Juwelen im Programm (Infos am Ende des Artikels).
Ein guter Anlass für eine Typologie der wundersamsten High-School-Weggefährten, die wir uns (nicht) wünschen und die diese Filme zu einem Heilmittel gegen die Unerträglichkeit des Seins machen.

#1 Der Overachiever

Wer oder was ist das? Die bösartige Mutation eines Ehrgeizlings oder Strebers. Sie lässt bereits im Alter von 10 bis 15 Jahren keinen Zweifel aufkommen, sie werde der überüber(über)nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden.

Woran erkenne ich diese Figur? Sie ist rund um die Uhr um Leumund und Leistung auf Exzellenzniveau besorgt und bereitet generalstabsmäßig das Pausenbrot oder den nächsten Move durch den Schulflur vor – als wäre das Leben eine Wahlkampfveranstaltung. Dabei führt sie sich wie ein Usurpator auf. Das sind Leute, die über andere herrschen und erfolgreich ignorieren, dass sie dazu gar kein Recht haben. Overachiever sind überwiegend weiblich.

Was kann ich von ihr lernen? Wie ich nicht Präsident der Vereinigten Staaten werde.

Beliebtheitskoeffizient: 1/n (n = Zahl ihrer „Anhänger“).

Beispiele: Tracy Flick („Election“), Summer („School of Rock“)

#2 Der Loner

Wer oder was ist das? Person ohne Eigenschaften. Sie bedient kein einziges Klischee, gehört keiner Szene, Gruppe oder Clique an, hat keine abartigen Hobbys (von denen jemand wüsste) und bewegt sich traumwandlerisch auf einer Linie, die von Genie und Volltrottel gleich weit entfernt ist. Sie hat weder Freund noch Feind. Dass sie überhaupt existiert, ist von so verstörender Wunderlichkeit, dass sie ein Vakuum von beachtlicher Anziehungskraft auszuüben imstande ist.

Woran erkenne ich diese Figur? An nichts. Das ist ihr Problem und ihr Wettbewerbsvorteil.

Was kann ich von ihr lernen? Wie man durchs Leben kommt, ohne dass andere einem auf den Sack gehen.

Beliebtheitskoeffizient: 0.

Beispiele: Kip Crombwell („Charlie Bartlett“), Walter Gibson („Der Volltreffer“)

#3 Der Bully

Wer oder was ist das? Das grimmige Ding mit der schweren Kindheit. Neigt dazu, seine Bedürfnisse höchst missverständlich mit Fäusten oder Waffen zu artikulieren. Trampelt mit unterschiedlichen Prognosen durch seine verkorkste Welt. Darf auf Läuterung hoffen oder steuert geradewegs auf eine vernichtende Niederlage zu.

Woran erkenne ich diese Figur? An ihrer Faust in deinem Gesicht oder ihrem Achselschweiß, den du schon aus den letzten Schwitzkästen kennst. Von weitem solltest du auf Leute vom Typ Rocker oder Quarterback achten, aber auch kleine Augen über hohen Wangenknochen, die aus einem Abercrombie-&-Fitch-Shirt gucken, sind hilfreiche Warnsignale. Weibliche Bullys sind tendenziell übergewichtig oder wirken aufgrund von Zornstau dauernervös.

Was kann ich von so jemandem lernen? a) Schneller werden, b) Klüger werden, c) Der hat’s doch auch nicht leicht, d) Was ’ne Wurst!, oder e) Alles von a) bis d).

Beliebtheitskoeffizient: Kritisch unter null.

Beispiele: Murphy Bivons („Charlie Bartlett“), Johnny („Karate Kid“), sämtliche Sonderschülerinnen in „Precious“.

#4 Der Nerd

Wer oder was ist das? Die Person, der du irgendwann im Leben ein zweites Mal begegnen wirst und die dir den Arsch retten kann – vorausgesetzt, du hast beim ersten Mal nicht den Fehler begangen und dich über sie lustig gemacht.

Woran erkenne ich diese Figur? Scheint sie zwei Aschenbecher über die Augen gestülpt zu haben? Dann bist du auf dem richtigen Weg. Comic-Motive auf außerordentlich scheußlichen Klamotten können ebenfalls ein Anhaltspunkt sein; manche Nerds sehen aber auch aus wie Andy Warhol.

Was kann ich von so ’ner Type lernen? Sehr viel. Um ihre Welt zu verstehen, besitzt du zwar das falsche Gehirn, aber die viel wichtigere Erkenntnis lautet doch: Es ist in Ordnung, anders zu sein!

Beliebtheitskoeffizient: Deutlich über null (die Höhe des Wertes ist direkt abhängig von ihrer Sozialkompetenz, die häufig einer Achterbahnfahrt gleicht).

Beispiele: Fogell („Superbad“), Zack (“School of Rock”)

#5 Das Cheerluder

Wer oder was ist das? Eine unter Fortpflanzungsgesichtspunkten äußerst appetitliche Wahl, die jedoch unter dem Vorwand sportlicher Betätigung ebendiese Gesichtspunkte mit jedem anderen praktisch erörtert, nur nicht mit dir. Das Leben einer solchen Existenz ist geprägt von der sinnlosen Hatz nach Immerschnellerweiterhöher.

Woran erkenne ich diese Figur? 48 kg (Männer etwas mehr), langes Haar (Männer etwas kürzer), wirkt wie aus dem Katalog gesprungen (auch was die Tiefenwirkung betrifft).

Was kann ich von ihr lernen? Den Planeten auch mit Kreaturen zu teilen, die eigentlich auf den Mond geschossen gehören.

Beliebtheitskoeffizient: Abhängig von den Rock- bzw. anderweitigen Längen.

Beispiele: Torrance Shipman („Girls United“), Regina George („Girls Club – Vorsicht bissig!“)

#6 Der Druffi

Wer oder was ist das? Deine Freitagabendversicherung. Hat immer was übrig, wenn du was zum Runterkommen brauchst (oder zum Hochkommen).

Woran erkenne ich diese Figur? Immer gechillt.

Was kann ich von ihr lernen? Chillen.

Beliebtheitskoeffizient: Vierstellig (an Werktagen dreistellig).

Beispiele: Randall Floyd („Dazed and Confused“), Charlie Bartlett („Charlie Bartlett“)

#7 Die (Sports-) Kanone

Wer oder was ist das? Das fehlende Glied zwischen Cheerluder und Overachiever (nein, das ist jetzt nicht so gemeint, wie einige denken, sondern anders). Karriere- und statusorientiert, aber am Ende des Tages doch ein bisschen zu doof, um das ganz große Rad zu drehen. Kann sympathisch oder psychopathisch sein.

Woran erkenne ich diese Figur? Sportklamotten? Sicheres Auftreten und ein geschmeidiger Gang sind nicht ausgeschlossen, das Hirn dackelt oft hinterher.

Was kann ich von ihr lernen? Brust raus, Schultern runter, erhobenes Haupt. Und ein bisschen mehr Bewegung! Von weiterer Vorbildnahme ist abzuraten.

Beliebtheitskoeffizient: Pffff …

Beispiele: Johnny („Karate Kid“), Paul Metzler („Election“)

#8 Der Prinzipal

Wer oder was ist das? Ein Schulleiter oder Lehrer, der sich nicht damit begnügt, ein normal gemeiner Schulleiter oder Lehrer zu sein, sondern der entweder einzelne Schüler retten oder sämtliche Schüler in die Hölle schicken will.

Woran erkenne ich diese Figur? An ihrer Spirituosensammlung in der Schreibtischschublade und/oder an ihrem kaputten Privatleben.

Was kann ich von ihr lernen? Im besten Fall: ein vollständiger Mensch zu werden. Im schlechtesten Fall: den Kopf zu verlieren.

Beliebtheitskoeffizient: Es ist kompliziert.

Beispiele: Jim MacAllister („Election“), Nathan Gardner („Charlie Bartlett“), Dewey Finn & Rosalie Mullins („School of Rock“)

#9 Der Engel unter uns

Wer oder was ist das? Kein Loner, kein Nerd, kein Alphatier. Sondern jener halbbeliebte, halbbegabte, halbschöne Mensch, der plötzlich, wenn es passender nicht sein könnte, aus seinem eigenen Schatten tritt wie ein Schmetterling aus dem Raupenhaus. Diese Lichtgestalt sorgt für das Gleichgewicht im Jetzt, denn sie übt sich schon lange darin, ihre inneren Widersacher in Einklang zu bringen. Und weil ihr das nicht immer gelingt, kennt sie sich auch mit dem Scheitern aus. Sie ist, von allen Typen hier, diejenige, die am besten aufs Leben vorbereitet ist. Und es ist die, die unser bester Freund werden sollte.

Woran erkenne ich diese Figur? Schau genau hin! Und schau auch mit dem Herzen.

Was kann ich von ihr lernen? Zu lieben.

Beliebtheitskoeffizient: Null bis gegen unendlich.

Beispiele: Tammy Metzler („Election“), Alison Bradbury („Der Volltreffer“), Susan Gardner („Charlie Bartlett“)

High-School-Highlights auf Kabel eins CLASSICS

Mittwoch, 17. Juni, 20:15 Uhr
Der Volltreffer, USA 1985, Regie: Rob Reiner, mit: John Cusack, Daphne Zuniga, Anthony Edwards

Mittwoch, 21. Juni, 20:15 Uhr
School of Rock, USA 2003, Regie: Richard Linklater, mit: Jack Black, Mike White, Joan Cusack